Kann man gleichzeitig schnarchen und träumen?
Kurz und knapp: Ja – aber nur selten. Die meisten Menschen schnarchen im Tief- und Leichtschlaf (Non-REM-Schlaf), während die intensivsten Träume im REM-Schlaf entstehen. Da die Muskulatur in der REM-Phase fast vollständig ruhiggestellt ist, kommt es hier seltener zum Schnarchen. Beides kann zwar gleichzeitig vorkommen, es ist aber eher ungewöhnlich. Schauen wir uns nun genauer an, was während des Schlafens passiert.
Was passiert im Gehirn und in den Atemwegen während des Schlafs?
Stellen Sie sich den Schlaf wie eine nächtliche Reise durch verschiedene Landschaften vor. Jede „Station“ hat ihre eigenen Besonderheiten, die beeinflussen, ob Sie schnarchen, träumen oder beides.
Während der Nacht durchläuft unser Körper mehrere Schlafzyklen, die sich in Non-REM-Schlaf und REM-Schlaf unterteilen.
1. Der Non-REM-Schlaf: Die Hochphase des Schnarchens
Der Non-REM-Schlaf (NREM) besteht aus drei Stadien:
- Leichter Schlaf (N1 & N2): Der Körper entspannt sich, die Muskeln lockern sich, aber Sie sind noch leicht aufzuwecken. Es ist wie das sanfte Gleiten in einen ruhigen See – alles wird stiller.
- Tiefschlaf (N3): Die „Erholungsstation“ für Ihren Körper. Ihre Zellen regenerieren sich, und die Muskeln sind maximal entspannt. Allerdings führt diese tiefe Entspannung oft dazu, dass auch die Rachenmuskulatur erschlafft, was die Atemwege verengen kann – ideal für das klassische Schnarchen.
Schlaftests zeigen, dass über 75 % aller Schnarch-Ereignisse in den Non-REM-Phasen auftreten. Warum? Weil der Körper hier so entspannt ist, dass das Gewebe in den Atemwegen vibrieren kann.
2. Der REM-Schlaf: Die Welt der Träume – aber kaum Schnarchen
Der REM-Schlaf („Rapid Eye Movement“) ist die Phase, in der die intensivsten Träume entstehen. Ihr Gehirn ist fast so aktiv wie im Wachzustand, aber Ihre Muskeln sind wie erstarrt. Diese sogenannte „Muskelatonie“ (auch REM-Atonie) ist ein Schutzmechanismus, der verhindert, dass Sie Ihre Träume körperlich ausleben, zum Beispiel, indem Sie im Bett um sich schlagen oder im Schlaf herumrennen.
Die Muskelstarre hat eine interessante Folge: Sie reduziert das Schnarchen deutlich. Die Atemwege sind stabiler und Vibrationen, die Schnarchgeräusche verursachen, treten seltener auf.
Dennoch: Bei Menschen mit Schlafapnoe, anatomischen Veränderungen in den Atemwegen oder stark erschlafftem Rachengewebe kann es auch hier zu Schnarchen oder Atemaussetzern kommen.
Für die meisten Menschen ist der REM-Schlaf aber eine „schnarchfreie Zone“.
Wie beeinflussen starkes Schnarchen und Schlafapnoe das Träumen?
Das Erinnern an Träume hängt stark vom REM-Schlaf ab, der Phase, in der die meisten Träume stattfinden. Ein wichtiger Punkt für Betroffene: Starkes Schnarchen oder obstruktive Schlafapnoe (OSA) kann die Traumwelt stören.
Warum ist das so?
- Verkürzte REM-Phasen: Häufige Weckreaktionen durch Schnarchen oder Schlafapnoe unterbrechen den REM-Schlaf und brechen so auch Träume ab.
- Weniger Traumerinnerungen: Tiefer, ungestörter Schlaf führt zu längeren REM-Phasen und einer besseren Traumerinnerung. Bei gestörtem Schlaf werden Träume unterbrochen oder entstehen gar nicht erst.
- Die Schlafqualität leidet. Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme, aber auch ernsthafte Krankheiten können die Folge sein.
Bei Personen mit Schlafapnoe ist es also wahrscheinlicher, dass sie gleichzeitig schnarchen und träumen. Sie werden aber oftmals durch Atemaussetzer aus dem Traum gerissen, bevor es spannend wird.
Weiterführende Informationen: Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Ursachen, Symptome und Behandlung
Kann man im Traum merken, dass man schnarcht?
Eine amüsante Vorstellung: Träumen Menschen jemals davon, dass sie schnarchen? Die Antwort ist: eher nicht.
- Während des Träumens sind bewusste Körperwahrnehmungen stark reduziert.
- Das Gehirn blendet viele externe Geräusche aus, selbst das eigene Schnarchen.
- Nur in sehr leichten Schlafphasen oder während eines kurzen Erwachens kommt es vor, dass eine Person sich an das eigene Schnarchen erinnert.
Ihr Gehirn ist also ein Meister darin, Sie von Ihrem eigenen Schnarchen abzulenken, leider aber nicht immer von dem Ihres Partners!
Praktische Tipps: Was tun, wenn Schnarchen den Schlaf beeinträchtigt?
Falls Sie oder Ihr Partner unter Schnarchen leiden, gibt es wirksame Maßnahmen, die helfen können:
- Schlafposition ändern: Schlafen Sie auf der Seite statt auf dem Rücken oder lagern Sie den Kopf etwas höher. So bleiben die Atemwege offener und das Schnarchrisiko wird reduziert.
- Individuelle Anti-Schnarchschienen vom Zahnarzt: Diese halten den Unterkiefer sanft in einer leicht vorgeschobenen Position. Der Rachenraum bleibt offen, der Atem kann frei fließen – eine sehr effektive Lösung.
- Nasenspreizer, Pflaster und Luftbefeuchter: Bei leichten Fällen können sich diese Hilfsmittel positiv auf die Atemwege auswirken.
- CPAP-Therapie bei Schlafapnoe: Falls Atemaussetzer festgestellt wurden, kann eine Überdruckmaske die Sauerstoffzufuhr sichern und für besseren Schlaf sorgen.
Ausführlichere Informationen: ► Was hilft gegen Schnarchen?
Schnarchen und Träumen – eher selten
Theoretisch können wir gleichzeitig schnarchen und träumen. Es ist aber eher die Ausnahme als die Regel. Schnarchen tritt hauptsächlich in den Non-REM-Phasen auf, während die intensivsten Träume im REM-Schlaf stattfinden. Dort verhindert die Muskelatonie das Schnarchen größtenteils.
Menschen mit starkem Schnarchen oder Schlafapnoe sind eine Ausnahme: Sie können beides gleichzeitig erleben, allerdings mit einer stark gestörten Schlafqualität.
Falls Sie oder Ihr Partner unter Schnarchen leiden, gibt es effektive Lösungen, die nicht nur den Schlaf verbessern, sondern auch Ihre Gesundheit und Lebensqualität steigern können.
Informieren Sie sich und werden Sie aktiv. Denn guter Schlaf ist die Grundlage für ein gesundes und ausgeglichenes Leben!
Tipp: ► Welcher Schnarchtyp sind Sie? Machen Sie den Schnarchtest.
Vergleich von Schnarchen und Träumen in Schlafstadien
Schlafphase |
Häufigkeit von Schnarchen |
Häufigkeit von Träumen |
Möglichkeit, dass beides gleichzeitig auftritt |
N1 (Leichter Schlaf) |
Selten |
Selten |
Möglich, aber unwahrscheinlich |
N2 (Leichter Tiefschlaf) |
Häufig |
Gelegentlich |
Möglich, insbesondere bei leichten Schnarchern |
N3 (Tiefschlaf) |
Sehr häufig |
Selten |
Unwahrscheinlich, da Träume selten |
REM-Schlaf |
Selten, aber möglich |
Sehr häufig |
Möglich, insbesondere bei schweren Schnarchern oder obstruktiver Schlafapnoe |
